Michael Krause im Interview – Wie Zellerfeld die Schuhbranche auf den Kopf stellt
Die Firma Zellerfeld druckt Schuhe in 3D-Druckern. Ihre Vision: "Printed shoes on every foot". Wir sprachen mit Michael Krause über die Pläne des Unternehmens.
Die Firma Zellerfeld druckt Schuhe in 3D-Druckern. Ihre Vision: "Printed shoes on every foot". Wir sprachen mit Michael Krause über die Pläne des Unternehmens.

Über sieben Jahre war Michael Krause bei Spotify – zuletzt als General Manager Europe. Dann der überraschende Wechsel zu Zellerfeld, ein deutsches Startup, das 3D-Schuhe druckt. Wir haben unser Beiratsmitglied Michael Krause gefragt, wie das Unternehmen die Schuhbranche revolutionieren möchte und inwieweit Plattformen dafür wichtig sind.
nextMedia: Hi Michael! Du warst lange bei Spotify. Dann kam der Wechsel zu Zellerfeld. Was hat dich an Zellerfeld begeistert?
Michael: Ähnlich wie Spotify transformiert und demokratisiert Zellerfeld eine Branche, in unserem Fall die Schuhbranche. Designer und Brands können direkt und ohne Kosten Designs auf die Plattform laden und für einen Preis ihrer Wahl auf Zellerfeld.com direkt an ihre Fans verkaufen – ganz ähnlich wie bei Spotify die Musiker und Labels.
nextMedia: Du bist Chief Platform Officer & Founder Associate. Was sind deine Aufgaben?
Michael: Als Chief Platform Officer kümmere ich mich um unseren beidseitigen Marktplatz – Designer und Brands auf der einen Seite und unsere Kund*innen auf der anderen Seite.
Es geht also um das Management der Brands und der Designers, Marketing, E-Commerce und PR. In meiner zweiten Rolle arbeite ich eng mit dem Gründerteam zusammen, helfe beim Fundraising, leite die Personalabteilung und das Software-Team.
"Langfristig glauben wir daran, dass jeder Mensch ein Profil seiner Füße bei uns hinterlegt haben wird (...). Dann gibt es eigentlich keinen Grund mehr, woanders seine Schuhe zu kaufen."


nextMedia: Was ist euer Ziel mit der Plattform?
Michael: "Printed shoes on every foot" ist unsere Devise. Wir glauben, der Verkauf von Schuhen ist sehr suboptimal aktuell und wir wollen das verbessern. Alle unsere Schuhe sind maßgeschneidert und nachhaltig und unser System demokratisiert Schuhdesign und erlaubt Designern, direkt von ihren Kreationen zu leben.
Langfristig glauben wir daran, dass jeder Mensch ein Profil seiner Füße bei uns hinterlegt haben wird und dann alle Schuhe aus Zellerfeld.com ihm perfekt passen werden. Dann gibt es eigentlich keinen Grund mehr, woanders seine Schuhe zu kaufen.
nextMedia: Wenn ich es richtig sehe, habt ihr euch für den Design-Prozess für Discord entschieden – warum?
Michael: Das war ein Zwischenschritt und vor allem am Anfang sehr wichtig, weil sich Designer noch viel austauschen mussten über die neuen Möglichkeiten. Discord wird als Community-Tool auch aktiv bleiben, aber wir launchen demnächst auch ein neues Studio, wo man Schuh-Silhouetten so einfach hochladen kann wie ein Video bei YouTube.
nextMedia: Wie soll der Design- und der Distributionsprozess künftig laufen?
Michael: Designer können für ihre Kreation auf viele Tools zurückgreifen. AI spielt auch eine große Rolle in dem Bereich – sei es als Inspiration oder auch als Hilfsmittel. Mittelfristig lässt sich auch gut denken, dass auch Nutzer*nnen sich ihre eigenen Schuhe selbst prompten oder individualisieren können.

nextMedia: Wie wichtig sind deine/eure Verbindungen in die Musikbranche?
Michael: Ich würde sagen, weniger wichtig als die Erfahrungen mit der Plattformökonomie. Wie man Creator und große Brands managed, wie man redaktionell arbeitet oder welche Plattform-Effekte es geben kann. Darüber hinaus gibt es natürlich viele Musiker*innen, die auch Schuhe designen wollen. Da hilft das musikalische Netzwerk dann schon hier und da.
nextMedia: Welche Rolle spielen Artists und Creator bei eurer Unternehmensentwicklung?
Michael: Ohne sie würde es nicht gehen. Wir bieten ihnen erstmals die Möglichkeit, ohne Startkapital Schuhe zu launchen und zu verkaufen. Dabei bekommen sie 60 % der Profite. Wir bekommen dafür eine tolle Auswahl an Modellen. Die Creator sind natürlich auch Multiplikator*innen, wenn sie über ihre Reichweite ihre Schuhe auf unserer Plattform bewerben.


nextMedia: Wie geht es bei euch weiter?
Michael: Wir nehmen gerade 2000 neue Drucker in Betrieb und können damit erstmals mehr als 1 Mio. Schuhe im Jahr drucken. Außerdem eröffnen wir eine neue Druckerfarm in Austin, Texas. Das Wachstum in der Nachfrage wird dann über Creator und Marken kommen, die unsere Plattform als Distributionsfläche nutzen. Wir haben außerdem erste Versuche gestartet, auch im Retail aktiv zu werden und unsere Schuhe werden im Solebox in Berlin verkauft seit dieser Woche.
nextMedia: Wie wichtig ist euch der Standort Hamburg?
Michael: Hamburg ist eine tolle Stadt für uns als R&D-Zentrum. Wir kriegen hier leicht Kolleg*innen eingestellt und haben schon Menschen aus über 20 Ländern nach Hamburg geholt, die Expert*innen auf ihrem Gebiet sind, sowie einen Förderverein für 3D-Druck und additive Fertigung gegründet (IAMHH) unter anderem mit dem Fraunhofer-Institut.
nextMedia: Vielen Dank für das Interview!