Mit Games die Markenbindung stärken
Gamification überträgt nur die Anreizsysteme aus Spielen auf andere Branchen. Aber lassen sich Games selbst auch als Marketingmaßnahme nutzen? „Natürlich“, sagt Insa Hollenberg, Head of Strategy bei Headraft. Das Hamburger Unternehmen hat 2016 eine Marktnische für sich entdeckt, noch immer ist die Konkurrenz gering. „Wir entwickeln Games für Marken, häufig im Kontext umfassender Kampagnen“, erklärt Hollenberg. „Die Benefits entscheiden sich vom klassischen Campaigning. Games zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine besonders hohe Verweildauer erreichen. Man müsste zum Beispiel sehr viel Filmcontent produzieren und durch Werbung pushen, um zu erreichen, dass sich Menschen 15 Minuten lang mit einer Marke beschäftigen. Gaming kann das besser und bewegt die User*innen wirklich zur Interaktion.“
Wie das konkret aussieht, erklärt Hollenberg an einem Beispiel. Für ein neues Handy mit guter Kamera etwa hat Headraft ein App-Game entwickelt, in dem die User*innen einem kleinen Roboter helfen mussten, die Welt zu retten. Innerhalb von drei Monaten sei die App 50.000-mal heruntergeladen worden, ein voller Erfolg, bilanziert Hollenberg.
Spiele-Content im Markenauftrag erschaffen
In anderen Projekten erschafft Headraft eigenen Content für die Online-Plattform Roblox, eine virtuelle Welt voller Landschaften, Rätsel und Minispiele, die von der sehr jungen Community selbst gestaltet und gespielt werden. Hier hat Headraft etwa ein Projekt für den österreichischen Radiosender Kronehit umgesetzt. „In dem Spiel mussten sich User*innen gegenseitig eine Krone abjagen. Es gab außerdem Events, die Moderator*innen des Senders hatten eigene Avatare, mit denen die Spielenden chatten konnten“, erzählt Hollenberg.
Das Geschäft läuft gut bei Headraft, obwohl noch längst nicht alle Marketingfachleute an Games denken, wenn sie Kampagnen planen. „Wir arbeiten viel mit Agenturen zusammen, davon gibt es ja gerade in Hamburg wirklich viele“, sagt Hollenberg. „Agenturen haben immer mehr auf dem Schirm, dass Games gut funktionieren, aber sie können oder wollen das häufig nicht inhouse umsetzen“.