Neue Rollen, neue Verbindungen
Eine gute Geschichte zu entwickeln, die passenden Kreativen zusammenzubringen und die Finanzierung zu stemmen, gehört weiterhin zum Kerngeschäft von Produktionsunternehmen. Aber auch Daten und Technologie spielen eine größere Rolle, Marketing und Distribution werden von Beginn an mitgedacht. „Im Grunde werden wir vom Hersteller zum Weltenbauer“, so Nina Peters. Was sie damit meint, zeigt das Beispiel „Aktenzeichen XY … ungelöst“, das die Securitel als Teil der ndF-Gruppe seit vielen Jahren produziert. Das klassische TV-Format wird inzwischen mit einem Podcast, dem Spin-off „Aktenzeichen … gelöst“ und Angeboten im Bereich True Crime über verschiedene Flächen inklusive YouTube hinweg weiterentwickelt.
Im Markenbereich verändern sich die Rollen ebenfalls. Für Pacco Nitsche verliert die klare Trennung zwischen Werbung und Unterhaltung an Bedeutung. 27KM produzierte etwa für einen Energieversorger eine YouTube-Serie mit Folgen von mehr als 15 Minuten über alternative Energielösungen, ohne darin zum Abschluss eines Stromvertrags aufzurufen. Ähnliche Verschiebungen beobachtet Pacco Nitsche in der Creator Economy: Marken und Creator entwickeln gemeinsam eigene Formate oder setzen Live-Streaming-Events um.
Für Nina Peters gewinnen solche Kooperationen auch angesichts knapperer Budgets an Bedeutung: „Unsere Stärke liegt in der Dramaturgie und im Storytelling erfolgreicher, langlaufender Serien. Das lässt sich gut mit Know-how aus Technologie, Werbung oder anderen kreativen Bereichen verbinden.“ Sie ist überzeugt, dass durch die knapperen Budgets bei Sendern und Plattformen wieder mehr Markenfinanziertes produziert werden wird. „Das sind aktuell für uns die interessantesten neuen Konstellationen. Auch deshalb ist Hamburg für uns so interessant mit seinen vielen Verlagen und Werbeagenturen.“
Auch Pacco Nitsche sieht darin Chancen für Hamburg: „Der Standort verbindet eine starke Filmförderung und erfahrene Storyteller in Fiction und Non-Fiction mit einer langen Tradition in der Werbung“, sagt er. „Wenn diese Bereiche stärker zusammenfinden, könnten daraus neue Erzählformen und andere Finanzierungsmöglichkeiten entstehen.“
Wie Marken und neue Finanzierungswege auch in der Fiction zusammenspielen können, zeigt ein aktuelles Projekt von Letterbox. „Der von Michael Lehmann, Vorsitzender Geschäftsführer der Studio Hamburg Production Group, verantwortete Familienabenteuerfilm rund um das Hamburger Miniatur Wunderland ist technisch besonders anspruchsvoll“, so Wiebke Andresen. Finanziert wird das Projekt über Förderung, einen Verleih und Senderpartner.
Eine weitere Möglichkeit, größere Projekte zu stemmen, sind internationale Koproduktionen. Besonders in Skandinavien sieht Wiebke Andresen neue Chancen: „Dort verändert sich durch die sinkenden Budgets gerade viel. Die Lage Hamburgs und die starken Partnerschaften der MOIN Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein mit den skandinavischen Ländern sind dabei ein großer Standortvorteil.“ Mit „Nordic NEST“ hat die MOIN zudem eine Initiative gestartet, die Kreative und Produktionsunternehmen aus Deutschland und Skandinavien zusammenbringt, um gemeinsam neue Projekte zu entwickeln.